Neues Moped - Qual der Wahl...

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werbefuzzi
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Neues Moped - Qual der Wahl...

Beitrag von werbefuzzi » 09.07.2018, 23:24

Heute nochmal eine kleine Runde mit der VFR gedreht und zum Honda Händler gefahren, bei dem ich die Lady vor 26 Jahren freigekauft hatte. Dabei hat mir der V4 mit der Remus Innovation Anlage wieder einen Schauer nach dem anderen den Rücken rauf und runtergejagt. :anbet: UNVERGLEICHLICH!!!! Der grollende Sound mit seinem dumpfen Brabbeln im Schiebebetrieb ist schon einzigartig, da tut der gefasste Entschluß, die Lady zu verkaufen schon weh... :baw:
Aber die Entscheidung ist gefallen und sie steht nun auch offiziell zum Verkauf: viewtopic.php?f=7&p=304120#p304120

Händler und Werkstatt waren von der Lady begeistert und attestierten ihr ausgezeichnete Gene und nahezu perfekten Zustand. Beruhigend zu hören, das bis auf ein paar Kleinigkeiten alles in Ordnung ist. Die Zwischenzeit habe ich zu einer spontan angebotenen Probefahrt genutzt und zwar mit einer schnuckeligen Honda CB 650F. Ein naked Bike mit recht aufrechter Sitzposition und kleinem Reihenvierer, der aber äußerst kultiviert werkelt und auch aus Leerlaufdrehzahl im 6. Gang seidenweich ohne jegliches Ruckeln, Murren und Ketteschlagen bis zum roten Bereich hochdreht, erst etwas zaghaft aber dennoch mit Zug und dann mit zunehmender Drehzahl immer kräftiger. Ist zwar ein "langweiliger" Reihenvierer aber dennoch erste Sahne. Die Sitzposition ist recht vorderradorientiert aber dennoch recht entspannt mit 183 cm, der Kniewinkel geht in Ordnung, das Fahrwerk zwar recht einfach gehalten aber straff und ausreichend komfortabel abgestimmt. Die 208 kg schwere CB läßt sich händeln wie ein Fahrrad, völlig unkompliziert einlenken und umlegen. Die ABS Bremse packt gut dosierbar und kräftig zu, insgesamt ist die Maschine jederzeit berechenbar und unkompliziert zu bewegen, auf einer kleinen Runde ins Bergische konnte ich auf den ersten Blick nichts wirklich negatives feststellen, es macht wirklich Spaß, die kleine zu fahren.
Als ich wieder auf meine VFR umgestiegen bin, dachte ich zuerst ich fahre einen Bagger, aber mit unvergleichlichem Sound. Vielleicht das einzige, was man der kleinen CB anlasten kann, sie macht vieles richtig gut und vermittelt auch Fahrspaß, aber Emotionen und Gänsehaut wie eine VFR...??? :nono:

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Lemmy
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Beitrag von Lemmy » 10.07.2018, 07:56

Moin Micha,

ich habe am Sonntag eher unfreiwillig auf einer MT09 auf dem Soziussitz platz genommen. (mit Mopped vom Kumpel liegen geblieben und ein vorbeikommender Moppedkollege hat mich heim gefahren)
Du solltest die unbedingt mal fahren. Selbst als Sozius war das Teil sowas von quirlig und leichtfüßig, hat richtig Spaß gemacht, obwohl ich nur hinten drauf gesessen habe. Und der Sound ist durch den Dreizylinder echt geil. ;)
"Wir die guten Willens sind,geführt von Ahnungslosen,versuchen für die Undankbaren das Unmögliche zu vollbringen.Wir haben so viel mit so wenig so lange versucht,dass wir jetzt qualifiziert sind,fast alles mit nichts zu bewerkstelligen" OCM#2352

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Beitrag von werbefuzzi » 10.07.2018, 11:28

Ja, die MT09 gibt es auch als "Tracer" Version mit noch aufrechterer Sitzposition und einigen Verbesserungen und ist mit ihrer kleinen Schwester Tracer 700 im Moment die erste Wahl. Zumal die 2017er Modelle aufgrund einiger Änderungen zum 2018er Modell neu recht günstig zu haben sind. Der Motor wird in der Tat von allen Testern durch die Bank hoch gelobt. Werde erstmal die 700er probefahren, dann die große Schwester. Hab ja Zeit mit dem Kauf.

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Beitrag von WolleKoelle » 10.07.2018, 22:57

3-Zylinder sind schon was feines.... ;)

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MacJoerg
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Beitrag von MacJoerg » 13.07.2018, 08:22

2 zu viel oder einer zu wenig.... :D
Hähäää..... Späßle g'macht.....
Gruß, Jörg

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Beitrag von Klaus S » 13.07.2018, 11:04

In der nächsten TF (Tourenfahrer) ist ein Test .... Tracer 900 GT
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Beitrag von werbefuzzi » 13.07.2018, 15:33

Jepp danke. Hab inzwischen schon alles gelesen und gesehen was im Netz zu dem Thema zu finden ist. Denke mal, die Probefahrt wird entscheiden. Demnächst mehr.

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Beitrag von werbefuzzi » 17.07.2018, 22:38

So, heute die freie Zeit mal für eine weitere Probefahrt genutzt, das Objekt der Begierde hieß heute Yamaha Tracer 700.
Aufgestiegen und direkt wohlgefühlt, breiter Lenker, aufrechte Sitzposition, entspannter Kniewinkel, Schlüssel rein, Starter gedrückt, Gang rein und ab ins Bergische mal sehen, was die vielgelobte Tracer so drauf hat.
Der auf V2 getrimmte Reihenzweier mit 270 Grad Hubzapfenversatz poltert auch direkt munter los, zieht auch in dicken Gängen von unten sauber raus, kein Ketteschlagen, rupfen oder Kupplungsschleifen. Prima. Stadtdurchfahrten können so nicht nur wegen der angenehmen Sitzhaltung entspannt genommen werden. Jetzt aber raus aus dem Verkehr, den Stadtrand der Klingenstadt tangieren, flucks über die Wupper, wo ich gestern abend noch mit Freunden richtig lecker gegrillt habe und dann endlich die ersten richtigen Kurven zum warmfahren. Der Klingenring (alte Bergrennstrecke) mit seinen teils steil ansteigenden engen Kehren vermittelt schonmal ein erstes Gefühl von Fahrwerk und Motor. Bis jetzt paßt alles, der Twin arbeitet im mittleren Drehzahlbereich kräftig und mit ausreichend Druck, schiebt mit sauberer Linie den Berg hoch. Die Tracer läßt sich sehr leicht einlenken und bleibt dann stabil auf der gewählten Linie, meist reicht schon ein leichter Schenkeldruck gegen den Tank und schwupps ist die passende Schräglage gefunden. Zieht sich die Kurve doch mal zu, ist nachdrücken kein Problem, jeder Steuerungsbefehl wird von der Tracer sauber akzeptiert und umgesetzt. Das Fahrwerk ist zwar etwas hart abgestimmt, aber nicht unkomfortabel, lediglich kurze harte Stöße werden über die Sitzbank in die Wirbelsäule weitergegeben. Naja, irgendwoher muß der Preis ja kommen...
Die Bremsen packen zwar kräftig zu, allerdings muß man sich zuerst an den späten Druckpunkt mal gewöhnen, ist der im Großhirn abgespeichert, machen auch die Anker, was sie sollen. Das ABS durfte ich auch kurz testen, als eine übervorsichtige Autofahrerin in die Eisen stieg um einem noch weit entfernten Fußgänger das Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen, während meine Drosselklappen schon auf Durchzug standen. Test bestanden.
Aber jetzt rechts ab Richtung Dabringhausen und dann am Altenberger Dom vorbei, jetzt noch die kurze Ortsdurchfahrt in Odenthal mit dem hinterhältigen Blitzer und dann links ab auf schmalen aber gut ausgebauten Sträßchen Richtung Kürten. Jetzt kann der Pseudo-V2 mal zeigen, wo er den Most holt. Der Motor beschleunigt knapp über Leerlaufdrehzahl sauber hoch und legt ab etwa 4.000 Umdrehungen so richtig los. Das Feuerwerk dauert bis etwa 9.000 Touren und läßt dann etwas nach, Abhilfe schafft dann die sauber zu schaltene Gangbox und weiter geht's. Sicher ist der Motor nicht mit dem unserer VFR zu vergleichen, macht aber trotzdem richtig Spaß und stellt auch im mittleren Drehzahlband bergauf genügend Leistung zur Verfügung, das Fahrwerk gibt keine Rätsel auf und auch die Bremsen ankern kräftig, wenn man sich einmal an den späten Druckpunkt gewöhnt hat. Die Strecke bis Nähe Kürten ist (zu) schnell genommen und jetzt heißt es schon wieder Richtung Yamaha fahren, der Händler braucht die Maschine zurück, also den nächsten Abzweig über Neschen und Bechen genommen und über ein paar enge Serpentienen über Altenberg nach Dabringhausen, Markusmühle, Leichlingen zurück.
Die kleine Tracer ist ein richtig tolles Spaßmoped, entspanntes Stadtcruisen meistert sie ebenso problemlos wie engagiertes Angasen. Hält man den Motor im richtigen Drehzahlband, stellt der muntere Twin auch wirklich genügend Kraft bereit, um in unseren Regionen richtig Spaß zu haben. Die entspannte Sitzposition und ihr problemloses Handling tun ihr übriges dazu, das grinsen im Gesicht festzutackern.
Die kleine Tracer direkt mit der VFR zu vergleichen, käme ihr nicht gerecht, man muß schon wissen, das man auf ein ganz anderes 75 PS Bike steigt. Hat man das einmal verinnerlicht und akzeptiert, machen auch die 689 ccm richtig gute Laune. Wie schrieb erst letztens ein Motorjournalist: " mehr Motor braucht kein Mensch..."
Jetzt wollen wir mal sehen, ob die große Schwester noch ein paar Verführungskünste mehr drauf hat... :blind:

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Beitrag von Klaus S » 18.07.2018, 08:10

werbefuzzi hat geschrieben:  
17.07.2018, 22:38
Jetzt wollen wir mal sehen, ob die große Schwester noch ein paar Verführungskünste mehr drauf hat... :blind:
Du hast Deine Er-FAHR-ung sehr gut geschrieben :!o

Michael .... ich fürchte die große Schwester wirst Du direkt in deine Garage stellen, und nicht mehr zum Händler zurück bringen, wollen :happy:
Auch wenn kein Mensch mehr Motor braucht, ist es doch .... nice to have :whistle:
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Beitrag von MacJoerg » 18.07.2018, 15:12

Was der Mensch braucht und was ihm gefällt sind 2 Paar Stiefel. Viel Spass mit der großen.
Gruß, Jörg

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Beitrag von MS_MagnaR43 » 18.07.2018, 16:40

MacJoerg hat geschrieben:  
18.07.2018, 15:12
Was der Mensch braucht und was ihm gefällt sind 2 Paar Stiefel. Viel Spass mit der großen.

:roll :winken1:
Gruß Hubert VFR-OC Mitglied, immer in Richtung Sonne unterwegs !
Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben, von Albert Einstein !

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Beitrag von werbefuzzi » 22.08.2018, 22:36

So, nach einer kurzen, gesundheitlichen Pause geht es nun weiter mit der Wahl einer neuen Königin auf zwei Beinen, ähh Rädern.

Die Yamaha Tracer 700 hatte ich ja schon probegefahren und sie kommt dem, was ich zweiradtechnisch so in Zukunft bewegen möchte schon verdammt nahe. Durch einige Gespräche angeregt, sollte ich aber die große Schwester, die Tracer 900 oder MT 09 Tracer, so die exakte Typenbezeichnung, doch auch einmal probieren. Also erstmal jeden Testbericht und jedes Video dazu reingezogen, damit man weiß, was einen da erwartet und worauf man achten sollte.

Wichtige Termine lagen heute nicht an, also schnell eine Probefahrt telefonisch beim örtlichen Freundlichen avisiert und dann mit dem Roller dahingerollert, den nervigen Papierkram erledigt und dem Händler erklärt, das man in der zugebilligten Stunde Probefahrt ja gerade mal aus der Stadt rauskommt und so bestimmt kein Fahrzeug auf artgerechte Bewegung testen kann. Unter der Premisse, das ich den Hobel vollgetankt wieder abstelle, obwohl bei Antritt der Tank nur höchstens halb gefüllt war, durfte ich mich dann zweieinhalb Stunden mit Tracy vergnügen.

Also aufgesattelt und hinter der megabreiten Lenkstange Platz genommen, das Teil ist einen gefühlten Meter breit (real 95 cm) und mündet beidseitig in Handprotektoren, die aus der letzten StarWars Produktion stammen könnten, überhaupt sieht und fühlt sich die Tracer im Vergleich zur VFR ziemlich spacig und modern an. Als ich losfuhr, glaubte ich von irgendwoher die Titelmelodie von StarWars zu hören, hmmm, merkwürdig. Da ich zunächst quer durch die Stadt mußte, wählte ich für den Anfang den Fahrmodus "B", wie brav, eine ausgezeichnete Wahl, wie sich herausstellte. Der Motor nimmt sanft Gas aus der Ride by Wire Befehlskette an und dreht munter hoch bis der linke Fuß unter etwas lautem klacken die nächste Gangstufe einlegt, was aber sauber und zuverlässig vonstatten geht ohne jedes Murren aus der 6-Gangbox.

Die Sitzposition ist aufrecht und mit 845 mm im Vergleich zur VFR schon fast Hochsitz ähnlich, jedenfalls kann man den Fahrern in ihren SUV Blechburgen wieder auf Augenhöhe begegnen, was mir als tiefergelegter Alfa Pilot jahrelang vergönnt war. Auch eine neue Erfahrung. Aber insgesamt ist die Sitz- und Fahrhaltung durchaus bequem und angenehm, auch trotz des gewaltigen Star Trooper Steuermoduls. Hat man sich einmal daran gewöhnt, - und das geht recht schnell - so möchte man garnicht mehr nach vorne gebeugt mit Druck auf den Handgelenken und schmerzendem Kreuz rumdüsen. Cruisen macht also schonmal Spaß, zumal auch die dritte und vierte Schaltstufe für die Stadt geeignet scheinen. Zur Not läßt sich die Seilzugkupplung leicht bedienen, also alles takko im Stadtverkehr.

Jetzt aber raus aus der Betonwüste und rauf auf den Klingenring, das recht enge Kurvengeläuf vermittelt schonmal einen ersten Eindruck vom Handling der strammen Tracy und das ist verdammt gut. Leichtfüßig meistert sie die Bergaufpassagen, läßt sich willig und begierig von einer Seite auf die andere legen ohne nach Korrektur zu verlangen, die fahrfertigen 212 kg merkt man ihr nicht an. Bei der kleinen, 196 kg leichten 700er hatte ich das ja schon fast erwartet, das es ihr die große Schwester so behende nachmacht, eher nicht, dabei hatte ich ganz vergessen, den Fahrmodus zu ändern, ich war immer noch in "B" wie brav, hatte aber dabei nichts an Leistung vermißt. Verändert man einmal die Winkelstellung des Handgelenkes, so geht es auch in "B" zügig und ohne jedes Leistungsloch zur Sache, Überholvorgänge - kein Problem. Um die Mopeds untereinander besser vergleichen zu können, wähle ich wie bei den vorherigen Probanten die selbe Strecke, zumindest mal am Anfang, Also gehts weiter über Witzhelden, am ehemaligen Honda (Groß)Händler Plütt rechts ab Richtung Dabringhausen, dann wieder rechts eine wirklich schön zu fahrende Strecke hinab zum Altenberger Dom. Inzwischen habe ich den Modus auf "Standard" eine Stufe schärfer gestellt, der Motor nimmt nun deutlich spürbar den Gasbefehl direkter an und verwandelt den Anstellwinkel in rasanten Vortrieb, der auch mit zunehmender Drehzahl nicht abnimmt. Die nächsten Kurven sind schnell erreicht, ohne runter zu schalten zügig durchfahren und mit kurzem Dreh wieder rausbeschleunigt. Ein kurzer Blick auf die sehr nützliche Ganganzeige sagt mir, das ich im fünften Gang unterwegs bin, Upps, gemerkt habe ich es nicht. Die heimtückische Radarfalle in Odenthal ist heute kein Problem, da der Verkehr durch eine einspurige, ampelgesteuerte Verkehrsführung eh ausgebremst wird. Jetzt noch schnell duch den Kreisverkehr und dann liegt nach ein paar hundert Metern der Abzweig links vor einem, der uns abwechelungsreich mit langen und kurzen Radien links wie rechts nach Bechen führt. Ein Schild mit "kurvenreicher Strecke auf 5 km" stellt das Lustbarometer nach oben und die süße Tracy enttäuscht uns dabei nicht. Ein kurz vor uns auftauchender CLK ist nach einer kleinen Winkeländerung der rechten Hand schnell in der Vergangenheit verschwunden. Hmmm, das war ja wieder der 5. Gang, runterschalten vergessen, verdammt... Die angekündigten 5 km gehen viel zu schnell vorüber und schon rollen wir auf den Kreisverkehr in Neschen zu, aber anstatt wie bei den anderen Testfahrten vorher links nach Neschen zu lenken, nehmen wir für ein kurzes Stück die B 506 unter die Gummies, um sie aber nach der Ortsdurchfahrt und dem fetten Husqvarna Händler direkt wieder rechts nach Hachenbach zu verlassen. Dem kleinen Sträßchen folgend und auf der Tracer thronend, bereitet auch die hundsgemeine, etwas hängende Linkskurve kein Problem, die schon so manchen in den Zaum geführt hat. Jetzt noch die enge Rechtslinks-Kombi, die vom Berg kommend so dicht an den Balkonen vorbeiführt, das man sonntags sehen kann, was für einen Kuchen es gibt und am Ende der Straße wieder links ab Richtung Kürten. Der Dreizylinder macht richtig Spaß, hat Kraft aus jeder Drehzahl und wirkt nie angestrengt oder überfordert, im Gegenteil, ich habe das Gefühl, das er weit mehr liefern könnte, als ich abrufe. Jetzt will ich es aber wissen und lege den Modi-Schalter auf "A" wie Attacke, vor uns liegt eine sehr schön und flüssig zu fahrende Landstraße, die parallel zur eben verlassenen B 506 verläuft und deshalb nur wenig befahren ist. Nachdem die Stadtgrenze passiert und der Hahn gespannt ist, kommt aus dem Großhirn der Befehl "Feuer frei" an das rechte Handgelenk. Jetzt legt Tracy los wie das Kölner Dreigestirn auf der großen Prunksitzung, kamelle, strüssjer, bützjer, (für die Nicht-Rheinländer: Naschwerk, Blumensträußchen, Küßchen) ohne Ende, jede noch so kleine Änderung des Gasgriffs wird sofort in vehementen Vortrieb umgesetzt, ohne wenn und aber. Jetzt heißt es wirklich festhalten an der breiten Segelstange, jetzt drücken satte 115 Pferde mit 88 Nm ihre Hufe in den Asphalt. Ab und zu am Horizont auftauchende Dosen sind schnell aufgeschnupft und stellen kein Hindernis dar, verdammt, schon wieder dieser 5. Gang...

Vorbei am beliebten Motorrad-Treff Landhaus Orbach, wo heute, an einem Mittwoch, mindestens 60 Motorräder parken, geht es weiter Richtung Wipperfürth. Ein kurzer Blick auf den digitalen Chronometer sagt, das es bald Zeit wird Richtung Heimat zu steuern, also im schönen kleinen Städtchen Wipperfürth nicht rechts ab ins Oberbergische, sondern das Blinklämpchen an der linken Seite gesetzt. Doch welch Schreck, auf dem nächsten Wegweiser ist die B 237 Richtung Hückeswagen als gesperrt angezeigt, also kann ich jetzt doch nicht auf direktem Wege nach Hause fahren, sondern muß jetzt einen Umweg nehmen, sooooo ein Pech aber auch. Ich entscheide mich, die Tracer vorbei am Segelflughafen Richtung Bevertalsperre zu lenken, war ich auch lange nicht mehr. Leider bin ich nicht der einzige, der so navigiert, stellt die Tracer aber vor kein Problem, auf jedem einsehbaren Stück Asphalt schnupft sich Tracy ein, zwei Dosen auf, Attacke-Modus sein dank. Am Ende der Straße schnell links den Blinker gesetzt und schon erscheint die Bever auf der rechten Seite. Im Schatten der Uferstraße fühlt man sofort eine leichte, erfrischend kühlende Brise von der Seeseite. An dieser Stelle sei auch die wirklich gute Textilhose Ocovango von Vanucci mal erwähnt, die ich mir für die heißen Tage vor kurzen neu gekauft habe, wenn die dicke Schwabenleder Pelle mal im Schrank hängen bleibt. Eine wirklich gute Investition. Auf dem Seitenstreifen parkt hier Auto an Auto, man will wohl noch die letzten schönen Tage der Sommerferien an der Bever genießen. Bis vor einigen Jahren war kurz vor der Staumauer auch noch ein beliebter Mopedtreff, der zu einem kurzen Päuschen und Schwätzchen mit Gleichgesinnten einlud. Jetzt sind hier nur noch Parkbuchten für Dosenfahrer zu finden, auf denen sich gerademal 4 Mopeds tummeln. Jaja, die alten Zeiten...

Also zackig vorbeigerollt und dann weiter zu dem kleinen Bergsträßchen, wo wir eigentlich von der anderen, gesperrten Seite aus hinwollten. Dies führt uns des Weiteren über Scheideweg, Dreibäumen vorbei am noblen Golfclub, wo heute verstärkt die Putter und Fünfereisen übers Grün fliegen. Hier fällt mir immer wieder die Geschichte ein, als mich ein neuer Kunde aus der Golferszene fragt, ob ich denn auch Golf spiele. Mein "nein, ich habe noch Sex" führte erstmal zu einer langen Gedenksekunde, die dann aber doch in ein herzhaftes Lachen führte. Es wurde eine langandauernde Geschäftsbeziehung.

Da man mir die Maschine nur mit höchstens halbvollen Tank überlassen hatte, mußte ich jetzt erstmal eine Tanke suchen, um nicht bei einem mir unbekannten Moped volles Risiko zu gehen. Deshalb einen kurzen Schlenker nach Wermelskirchen gemacht und Tracy für satte 1,509 Euro/Liter den Saft ihrer Begierde eingefüllt. Dann am Audi Händler abgebogen, am Fliesen Zippa vorbei, wo ich vor 30 Jahren meine italienischen Badezimmerfliesen gekauft habe und dann vorbei am Freibad Eschbachtal, wo auch noch viele den Sonnentag genießen. Jetzt noch ein kurzes, schön kurviges Stück durch den Wald, links ab Richtung Solingen Unterburg, vorbei an der Ruine des vor Jahren abgebrannten Rudelbummses Beverly, wo wahrscheinlich die letzte Nummer doch zu heiß war. Auch in Unterburg ist heute in den Strassencafes soviel Betrieb wie an einem guten Wochenende, der Begriff "über die Wupper gehen" hat hier keine Bedeutung, man fährt einfach über die Brücke, vorbei an der Drehscheibe für die umweltfreundlichen Solinger Oberleitungsbusse. Jetzt folgen noch einige schöne Kurvenkombinationen mit unterschiedlichen Radien, von weit bis fast Spitzkehre, die die Tracer nun wieder im B (brav) Modus mit permantem Zug an der Kette, egal in welchem Gang sauber den Berg hochzieht. Oben angekommen ist das Stadtgebiet von Solingen wieder erreicht und es gilt nur noch die Tracer zum Händler zurück zu bringen.

Zum Fahrwerk möchte ich keine abschließende Beurteilung abgeben, da ich auch nicht weiß, wie es bei Fahrtantritt eingestellt war, es schien mir recht straff aber keineswegs zu hart oder unkomfortabel zu sein, Fahrbahnunebenheiten wurden weggebügelt ohne Unruhe ins Gefährt zu bringen, auch schlechte Untergründe wurden sicher überfahren, da hatte ich mit der VFR schon andere Erfahrungen. Beim harten Anbremsen tauchte die Gabel vorne etwas tief ein, allerdings ohne auf Block zu gehen oder je den Eindruck der Unfahrbarkeit zu vermitteln. Ich muß allerdings erwähnen, das ich heute noch ein 2017er Modell gefahren habe, diese Baustelle hat Yamaha aufgegriffen und schon im Modelljahr eine verbesserte Variante eingebaut. Auch die aktuelle 2018er Tracer hat nochmals eine Überarbeitung erhalten, das müßte man nach korrekter Einstellung mal austesten.

Die Bremsen der Tracer 900 geben keinerlei Rätsel auf, die vorderen Kolben packen zuerst leicht, dann mit wachsender Handkraft immer kräftiger zu, sind also wohldosierbar, auch die hintere Bremse zeigt Wirkung, im Gegensatz zum hinteren Stopper der kleineren 700er Schwester, die fast ohne Wirkung mitfährt. Alles Einstellungssache spricht der Händler...

Zusammenfassend kann man sagen, das die große Tracer eine richtige Spaßmaschine ist, mit einem Sahnemotor, dessen 3 Zylinder so ziemlich jede Fahrsituation souverän meistert und dem geneigten Piloten ein Dauergrinsen ins Gesicht meißelt. Fahrwerk und Bremsen sind passend und geben keine großen Rätsel auf. Lediglich die zweigeteilte Sitzbank ist mir zu unbequem, schon nach einer Stunde tat mir der Hintern weh, wurde dann zwar nicht schlimmer, aber komfortabel ist anders. Hier muß an Form und Polsterung dringend nachgebessert werden. (hat man sich beim 2018er Model auch angenommen) Vergleichend kann man sagen, das die große Schwester alles kann, was die kleine 700er auch kann, nur eben alles ein wenig souveräner und besser. Ob man es wirklich in unseren Breiten braucht, muß jeder für sich selbst entscheiden und genau diese Frage wird mir wohl auch einige schlaflose Nächte bescheren...
Zuletzt geändert von werbefuzzi am 22.08.2018, 22:53, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von MS_MagnaR43 » 22.08.2018, 22:45

Hallo Michael,
es ist ja wirklich zu bewundern welchen ges. Aufwand du betreibst, ich habe mir ein Bike der Wahl im Oktober 2016 im Urlaub mal einen ganzen Tag geliehen und mir dann das Bike im Sonner 2017 nach intensiver Preisverhandlung in MS bei unserem FH gekauft... ich bin Aufgestiegen und los .. jetzt nach einem guten Jahr hat das Bike 14.500km und jeder war gut. Ich wünsche dir viel Erfolg, Kauf dir die Große du bist nicht mehr der jüngste und solltest mit der Reserve gut um alle Ecken kommen.

Hoffe wir sehen uns mal ...
Gruß Hubert VFR-OC Mitglied, immer in Richtung Sonne unterwegs !
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Beitrag von Klaus S » 23.08.2018, 09:25

Michael ... allein die Anzahl deiner Worte zu 07 und 09 lässt auf eine klare Tendenz schließen :D

Du hast einen feinen Bericht verfasst, und warst mit dem Herzen bei der 09er

Jetzt schlaf gut, obwohl ich glaube dass dein Herz und Bauch schon eine Entscheidung getroffen haben
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Beitrag von werbefuzzi » 23.08.2018, 21:45

Eine Entscheidung ist definitiv noch nicht gefallen, werde mir auch noch einige andere Mopeds ansehen und dann entscheiden. Am Ende der Saison, sowie im Winter werden die Preise eh nochmal sinken und das Angebot größer werden. Wenn ich zur neuen Saison wieder fahrbereit bin, dann ist das früh genug. Das neue Moped wird zwar in jedem Fall noch auf meine Belange umgebaut, aber das geht auch nebenher.
Also alles easy...
...ich hab Zeit.

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Neues Moped - Qual der Wahl...

Beitrag von MacJoerg » 18.09.2018, 15:41

Ich würde mich ja auch mal auf die Afrika-Twin hocken..... :D
Gruß, Jörg

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Neues Moped - Qual der Wahl...

Beitrag von werbefuzzi » 19.09.2018, 18:29

Bei dem tollen Wetter gestern hatte ich am frühen Nachmittag überhaupt keine Lust mehr, hinter dem Schreibtisch zu hocken und auf der Tastatur rumzuhämmern, also den Wastl-Roller rausgeholt und ab zum Freundlichen mit dem Flügelemblem. Durch einige Benzingespräche aufmerksam geworden, wollte ich mir die NC 750X mit DCT-Getriebe einmal anschauen. Eine Automatik beim Motorrad konnte ich mir zwar bislang nicht vorstellen, ich wollte mir aber hinterher nicht vorwerfen, es nicht wenigstens einmal probiert zu haben und interessiert hat es mich schon, wie sich sowas denn in der Praxis fährt. Gelesen hatte ich im Vorfeld schon einiges darüber, auch daß das aktuelle DCT der dritten Generation erheblich verbessert worden war, neue, zusätzliche Fahrmodi erhalten hatte und nun praxistauglich die richtige Gangstufe vorwählt.

Eigentlich wollte ich erstmal nur probesitzen und vielleicht noch ein paar Infos rauskitzeln, als ich dann auf dem Bock platzgenommen und eine Einweisung ins DCT erhalten hatte, könnte ich doch auch direkt eine Probefahrt dranhängen, so jedenfalls meinte der Händler. Ich mußte mich nicht lange bitten lassen, warum eigentlich nicht, Wetter, Lust und Laune spielten mit, allerdings hatte ich nur das sommerliche Rolleroutfit an, also schnell noch Daheim vorbeifahren und die Mopedklamotten überziehen. Den Starterknopf gedrückt, D-Modus vorgewählt und etwas Gas gegeben. Sanft rollt die NC los, besser hätte ich es mit Kupplung auch nicht machen können, die Gangwechsel erfolgen unmerklich und schnell, werden lediglich mit einem mittellauten klacken registriert, das mit einem leichten jaulen untermalt wird. Vor uns liegt jetzt erstmal ein langer steiler Berg, der nach einer Kurvenkombination zweispurig ausgebaut ist, mal sehen, wie sich die NC darauf so schlägt. Die Honda zieht sauber los und lauert hinter der Dosenkaravane bis sich die zweite Spur auftut, um dann an jener vorbeizustürmen, so die Theorie. Aber upps, - die Winkeländerung der Gashand wird so gut wie garnicht in Vorwärtstrieb umgesetzt, ein Blick auf die Ganganzeige erklärt auch warum. Auf dem kurzen ersten Bergaufstück hatte der D-Modus schon bis in den 5. Gang hochgeschaltet, da konnte mit 55 angespornten Pferdchen auch nicht mehr viel passieren. Also schon die erste Lektion gelernt, D-Modus heißt dahindümpeln und Sprit sparen, also eher was zum cruisen im dicken Gang.

So, zuhaus schnell die Klamotten gewechselt, jetzt konnte es losgehen. Die Peripherie des Stadtgebiets lag schnell hinter uns, jetzt den Blinker links gesetzt und auf kurvenreichem Geläuf hinunter zur Wupper, wo im Landhaus Wupperhof seit diesem Sommer ein sehr guter Grieche seine Gäste in Bergischem Ambiente bewirtet. Jetzt wartet nach dem Überfahren der alten virtuellen Startlinie der Klingenring auf uns. Damit die Fahrfreude nicht wieder dem Dümpel-Modus zum Opfer fällt, habe ich bereits den Sportmodus 3 eingestellt, mal sehen, was der so zu bieten hat. Die Gänge werden nun deutlich höher ausgedreht, beim anbremsen schaltet der Automat selbsttätig einen Gang runter, die Gasannahme erfolgt nun deutlich direkter. Allerdings wählt das DSG teilweise eine andere Fahrstufe als ich manuell geschaltet hätte. Ist zwar anfangs etwas ungewohnt, aber durchaus fahrbar.
Meine Teststrecke ist heute leider mit zahlreichen Baustellen gespickt, hier zeigt sich aber unerwartet eine der Stärken des DSG, Stop and Go-Verkehr wird ausschließlich mit der rechten Hand erledigt, ruckfreies anfahren und abbremsen erledigt sich spielerisch einfach. Kein kupplungsziehen, halten, einkuppeln, auskuppeln, schalten, wieder auskuppeln und Leerlauf einlegen, diese ganze Litanei entfällt völlig. Hier zeigt das DSG seine ganze Stärke und Überlegenheit gegenüber der normalen Schaltbox, Stadtverkehr, Baustellen und Staus verlieren so ihren Schrecken, die linke Hand hat heute frei und wird nur zum blinken benötigt oder um Gleichgesinnte zu grüßen. Lediglich wenn man der "Gierbox" seinen Willen aufzwingen will, werden noch Daumen und Zeigefinger für die manuellen Gangwechsel per Taster benötigt, doch dazu später mehr.
Um die Vergleichbarkeit der gefahrenen Mopeds möglichst zu gewährleisten, ist die Teststrecke wieder gleich, also geht es beim ehemaligen Honda Händler wieder rechts ab Richtung Dabringhausen und dann weiter zum Altenberger Dom. Auf diesem kurven- und abwechselungsreichen Geläuf bergauf und -ab wechsele ich die Schaltmodi mal durch, wie schon erwartet, macht der D-Modus im freien Feld weder Sinn noch Spaß, er taugt nur zum spritsparenden cruisen. Die drei "Sportmodi" sind zwar schon um einiges fahrbarer, die Gänge werden länger gehalten und höher ausgedreht, aber wirklich Spaß macht nur der flotte Dreier, der schärfste. Nach der Ortsdurchfahrt von Odenthal muß ich mich leider hinter einer Blechkaravane einreihen, die von einem landwirtschaftlichen Großgerät angeführt wird. Eigentlich schade, denn das Schild "kurvenreiche Strecke" verheißt ansonsten Fahrspaß im bewaldeten Kurvengeschlängel mit unterschiedlichen Radien. So beschäftige ich mich noch einmal mit den Schaltmodi, allerdings lasse ich "D" wie dümpeln außen vor, das macht beim überholen überhaupt keinen Sinn. Auch der erste Sporti kommt nicht so recht aus dem Quark, der zweite ist zwar schon etwas engagierter bei der Sache, erspart einem aber meist auch nicht das manuelle Eingreifen vor dem Überholvorgang. Lediglich die dritte Sportstufe hält die Gänge auch etwas länger, bis sich eine geeignete Möglichkeit zum ungefährdeten Überholen auftut. Dabei muß man aber immer wissen, das man hier mit einem 55 PS Motorrad unterwegs ist, das keinesfalls so angast wie die VFR mit fast doppelt soviel Leistung. Diesen Unterschied merkt man wirklich deutlich und sollte dies auch bei seinen Fahrmanövern immer vor Augen haben. Nachdem ich gemerkt hatte, das mir der Automat nicht immer die richtige Gangwahl zum Überholen zur Verfügung stellt, habe ich dazu manuell über die beiden Fingertaster am linken Lenkerende eingegriffen. Dies funktioniert aber nur dann gut, wenn ich unmittelbar danach auch gasgeben und beschleunigen will. Hat man aber beispielsweise Streckenkenntnis und weiß, das nach der nächsten Kurve eine Überholmöglichkeit besteht und schaltet dann vor oder in der Kurve schonmal vorsorglich einen Gang runter, so kann es sein, daß das DSG zwischenzeitlich automatisch wieder einen höheren Gang einlegt und einem die Tour gehörig vermasselt. Passiert nicht immer, hat mich gestern aber das eine oder andere Mal geärgert, da ich vor bestimmten Aktionen schon gerne den dazu nötigen Gang im manuellen Getriebe vorgewählt habe.
Nach der Ortsdurchfahrt Bechen geht es wieder ein kurzes Stück über die B506, um dann wieder über kleine kurvenreiche Sträßchen zur sehr schön zu fahrenden parallel verlaufenden Strecke zu gelangen. Liegt der Kreisverkehr am Ortsausgang von Kürten hinten einem, erwartet uns eine sehr schöne, flüssig zu fahrende, kurvige Strasse mit meist wenig Verkehr. Hier ist die NC in ihrem Element und das DSG zeigt, was es kann. Bei zügiger Fahrweise werden die Gänge sauber hochgedreht, die Gangwechsel passen und werden so vorgewählt, wie ich auch mit manuellem Getriebe fahren würde. Einzelne Fahrzeuge zu überholen ist jetzt kein Problem, die vorgewählte Gangstufe paßt jetzt fast immer oder kann mittels Daumendruck kurz korrigiert werden. So im Fluß macht die NC richtig Spaß, Der Motor liefert auch untenrum richtig Drehmoment, darauf ist er abgerichtet, schließlich ist bei etwa 6.500 Umdrehungen auch schon das Ende der Fahnenstange erreicht. Ist ja auch klar: halber Motor, halbe Drehzahl. :jetzt: Auf diesem flüssig zu fahrenden Streckenteil kommt Freude auf, beim gaswegnehmen wird zügig der nächstniedrigere Gang eingelgt und unterstützt zusätzlich mit der Motorbremse den Bremsvorgang, was anfangs etwas gewöhnungsbedürftig ist, hat man den Bogen aber mal raus, kann man diese Eigenschaft aber für sich arbeiten lassen und ein leichtes anbremsen nur durch kurzes gaswegnehmen mit einsetzender Motorbremse erzielen.
So im Fahrrausch ist die alte Hansestadt von Müller-Wipperfürth viel zu schnell erreicht, dank DSG verliert auch die Großbaustelle im Stadtkern ihren Kupplungshandschrecken. Wir müssen also wieder den Umweg über die Bevertalsperre nehmen, wo sich bei schönstem Badewetter noch einige Sonnenhungrige tummeln oder auf dem Wasser segeln. Als Motorradtreff hat die Staumauer jedenfalls ausgedient, ein einziges Zweirad steht sich hier noch die Reifen platt. Jetzt weiter über kleine und kleinste Sträßchen über Dreibäumen, Buchholzen nach Wermelskirchen. Am vorbeifliegenden Golfplatz suchen Scharen von kurzberockten Anhängerinnen des grünen Sportes nach ihren Bällen. Ja mei, wenn's Spaß macht...
Über kurviges Geläuf geht es wieder den Berg hinab, unter der Autobahnbrücke durch und dann am Freibad Eschbachtal vorbei, wo sich noch einige Unendwegte dem kühlen Nass hingeben. Die Strecke mit unterschiedlichen Belägen und Kurvenradien dient nochmal zum ausloten des Fahrwerks und bestätigt den auch schon zuvor vermittelten Endruck. Das Fahrwerk ist auf den ersten Blick recht straff abgestimmt, ohne allerdings unangenehme Härte aufkommen zu lassen. Das ist mir bei allen gefahrenen Bikes aufgefallen, die Fahrwerke sind alle recht straff ausgelegt mit mehr oder weniger gelungenen Abstimmungen. Während bei langsamer Fahrt Fahrbahnunebenheiten, Teerflicken und Schlaglöcher von der NC noch recht deutlich vermittelt werden, nimmt diese Eigenschaft mit zunehmender Geschwindigkeit deutlich ab. Jetzt werden die Fahrbahnmakel einfach weggebügelt, die Federelemente reagieren deutlich sensibler und souveräner. Kurzum, das Fahrwerk der NC macht in dieser Fahrzeugklasse richtig Spaß und ist deutlich besser abgestimmt als beispielsweise das der Yamaha Tracer 700. Die Sitzposition ist auf beiden Maschinen sehr ähnlich, aufrecht, mit offenen Kniewinkel und breitem Lenker, wobei die NC ein klein wenig vorderradorientierter wirkt, der Knieschluß paßt dank optimaler Einbuchtungen im Tank ausgezeichnet. Apropos Tank, genaugenommen handelt es sich hier um eine Tankattrappe, in der sich ein 22 Liter großes Staufach befindet. Der eigentliche Tank hat mit etwa 14 Litern seinen Platz unter der Soziasitzbank gefunden. Das erinnert mich an die frühere Werbung eines großen deutschen Automobil Herstellers mit den vier Ringen: "wo ist der Tank...?"
Die NC750X mit DSG-Getriebe ist mit 229 kg zwar kein Leichtgewicht und deutlich schwerer als die anderen gefahrenen Bikes, aber rollt die Fuhre einmal, ist davon nichts zu spüren und die Honda läßt sich spielend leicht einlenken und umlegen. Vom Fahrwerk und Handling ist die NC wirklich top und macht kräftig Spaß, nicht nur in der Preis/Leistungsrelation.
Die Bremsen machen das, was sie sollen, sie bremsen, nicht mehr oder weniger. Der hintere Einkolbenstopper hatte so gut wie keine Bremswirkung, ob sie vor meiner Testfahrt überhaubt mal benutzt wurde weiß nur der Wind, der den Bremsstaub weggetragen hat. Vorne ist eine 320 mm große Scheibe mit Doppelkolben auf der rechten Radseite zu finden, sie bremst die NC ordentlich ab, ohne jetzt Bestwerte zu setzen, paßt aber schon. Ob die eine Scheibe bei Dauerbelastung in den Alpen reicht vermag ich nicht zu sagen, wird sich auch erst vorort abschließend klären lassen.
Die Sitzbank paßt zur Sitzposition und ist durchaus als bequem zu bezeichnen, insbesonders, da mich am Wochenende die Hexe ins Kreuz geschossen hat. Aber weder Fahrwerk und Bank gaben Anlaß zur Kritik und die hinterhältige Hexe blieb während der Probefahrt in ihrem Knusperhäuschen. Kurz vor Rückgabe des Fahrzeugs habe ich die Maschine noch vollgetankt, nach etwa 130 km Probefahrt paßten 4,53 Liter Kraftstoff ins Heck, ein absolut erstaunlicher Wert.

Fazit:
Zusammenfassend kann ich sagen, das ich von der NC mit DSG durchaus beeindruckt war, Das Handling ist klasse, das Fahrwerk in dieser Fahrzeugklasse wirklich gut und auch der akustisch auf V2 getrimmte, drehmomentorientierte Motor ist mit seinem angenehmen dumpfen Klang nicht von der schlechten Sorte. Allerdings muß man beherzigen, das hier bei etwa 6.000 Touren Zapfenstreich ist, also dort, wo normalerweise die Kapelle erst zu spielen anfängt. Das muß man wissen und auch wollen, dann kann man auch ein 55 PS Moped zügig und mit Spaß bewegen. Ein echter Kritikpunkt ist das überfrachtete, viel zu kleine farbige Display, das sich bei normalem Tageslicht sehr schlecht einsehen läßt und auch auf zu engem Raum viel zu viele kleine Anzeigen bereitstellt.
Hätte die NC 20-25 PS mehr und eine zweite Bremsscheibe, wäre sie ein ernstzunehmender Kandidat, aber auch so erklärt sich, warum die NC-Familie Hondas meistverkauftes Modell ist.

Die Afrika Twin habe ich mir natürlich auch angesehen, ist aber nicht das, was ich will, zu groß und zu schwer.

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Neues Moped - Qual der Wahl...

Beitrag von Lemmy » 20.09.2018, 09:16

Moin Micha,

ich hätte nicht erwartet, dass du dir die NC mal nimmst, da sie ja eher weniger in dein Beuteschema passt.
Aber trotzdem sehr interessanter Bericht, besonders in Bezug auf das DSG. Die gleichen Erfahrungen habe ich im Auto mit DSG gemacht. Blechlawinen durchrollern nervt viel weniger, weil man entspannt fährt. Nur bei 10% der Fahrsituationen ist man im falschen Gang, was allerdings auch verständlich ist, weil das DSG ja nicht vorausschauend denken kann und so kams bei mir, genauso wie bei dir, auch vor, dass beim Überholen manchmal der falsche Gang drin war. Oder wenn ich im Kreisverkehr gleich wieder die erste raus wollte und Druck auf der Vorderachse wollte, hat er meist schon den 4. drin gehabt, wo ich persönlich eher den 2.Gang drin gehabt hätte.
Mangels Schaltwippen ließ sich das auch nur bedingt anpassen.

Wie ist das eigentlich, lernt das DSG bei den Hondas den Fahrstil? Ich hatte eine Zeitlang einen 7er Golf, der wurde 100.000km von einem bewegt, der sagen wir "sehr verhalten" gefahren ist. Das Ding war lahm wie eine Ente und hat ab 50 den 7. Gang drin gehabt. Nach ein paar tausend Kilometern hatte es sich aber an mich "gewöhnt" und hat viel früher runter geschalten.
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Beitrag von werbefuzzi » 20.09.2018, 20:16

Hi Lemmy,
ich hatte schon so viel Gutes über die NC gehört, das ich mir mal selbst einen Eindruck verschaffen wollte. Habe es auch nicht bereut, man muß nur vorher berücksichtigen, auf was man sich da einläßt.
Ja, das DCT ist lernfähig, da aber auf dem Vorführer schon Dutzende Fahrer mit unterschiedlicher Fahrweise rumgerutscht sind, wird sich da nix rauslesen lassen, dazu muß man wohl ein paar tausend Kilometer im eigenen Fahrstil reiten.
Jepp, DCT bzw DSG beim Auto wählen den Gang nach verschiedenen Parametern und Sensoren vor und können naturgemäß nicht wissen, ob der Fahrer als nächstes abbiegen oder überholen will. Dieses "Vorausdenken" fehlt zur Zeit noch. Für diese Manöver müßte man dann in den kompletten manuellen Betrieb wechseln und per Taster schalten, anschließend kann man ja dann wieder per Knopfdruck in den Automodus zurückgehen. Mit ein bißchen Routine gelingt das hin- und herswitchen bestimmt problemlos.
btw. Da lobe ich mir die Selespeed-Schaltung in meinem Alfa, Hier kann ich wahlweise vollautomatisch fahren oder mittels "Joystick" an der Mittelkonsole durch leichte Bewegung schalten oder auch am Lenkrad mittels Taster. Auch hier ist das System lernfähig und paßt sich meinem Fahrstil an. Macht richtig Laune und nimmt auch jedem Stau und Stop and Go den Schrecken.

Jetzt muß ich mal überlegen, was ich als nächstes teste, die Kawa Z900 soll recht interessant sein... :mml

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Beitrag von Silberrücken » 21.09.2018, 11:29

werbefuzzi hat geschrieben:  
20.09.2018, 20:16
...
Jetzt muß ich mal überlegen, was ich als nächstes teste, die Kawa Z900 soll recht interessant sein... :mml
ich dachte du wolltest was kleines, ruhiges - "altersentsprechendes"... :roll :weg:

dann kannste dir auch bei honda die "graue" CB 1100 mal ansehen. geniessen statt rasen, is bei 200 abgeriegelt, langer 6. gang fürs powercruisen...
kommt aus japan, echte honda-qualität!
nur eben 1100ccm und rund 260kg...

bis später... :prost:

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Beitrag von WolleKoelle » 21.09.2018, 15:34

Oder oder oder.....

Du fährst nach Rösrath-Hoffnungstal, dort gibt's die grünen und die englischen......

und von den englischen die Street-Triple, aber ich fürchte - zu Vorderradorientiert :roll:

Gruß
Jürgen (voll zufrieden mit Vorderradorientierung :D )

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Beitrag von Silberrücken » 06.11.2018, 17:04

hey Micha, gibt's was neues???

habe heute das hier gefunden, ne olle CB500,

klick-mich

hast also recht, die kleine 700 Tracer könnte reichen... :blind:

... Berg runter... :cool:

Spaß muss sein, LG Christian :weg:

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Beitrag von werbefuzzi » 06.11.2018, 19:35

Ich sach nur...
...reisen statt rasen...! :auto-sportbike: